26_Betriebliches Gesundheitsmanagement

Was tun bei Hitze im Büro?

Im Jahr 2022 führte die DGUV eine Umfrage zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit durch. Über 62 Prozent der Befragten – Beschäftigte aus mehr als 20 Branchen – sahen einen Handlungsbedarf bei Hitze in Innenräumen. Welche Möglichkeiten die Unternehmen, aber auch die Beschäftigten dafür haben, beschreibt dieser Artikel.

Die Sommer werden heißer

Es gibt einen offensichtlichen Trend zu mehr „Heißen Tagen“, wie das Bundesamt für Umwelt anmerkt. Ein „Heißer Tag“ ist ein Tag, an dem das Maximum der Lufttemperatur mehr als 30 Grad Celsius beträgt. Zudem werden die Hitzeperioden im Sommer länger. Für die Beschäftigten bedeutet das unter anderem:

  • Arbeiten in überwärmten Bürogebäuden, Schulen und Produktionshallen,
  • die Gefahr der Überwärmung des Körpers,
  • eine stärkere Belastung für das Herz-Kreislauf-System,
  • ein Nachlassen der Leistungsfähigkeit und eine Zunahme von Fehlern,
  • Übermüdung durch tropische Nächte und erhöhte Reizbarkeit als eine Folge davon,
  • Auswirkungen auf die psychische Gesundheit bis hin zu Angststörungen und Depressionen aufgrund von Sorgen, wie sich das Klima und dessen Folgen weiterentwickeln werden.

Besonders betroffen von der steigenden Hitze sind Risikogruppen: Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, ältere Beschäftigte oder schwer körperlich Arbeitende im Freien. Doch nicht nur die Hitze am Tag macht zu schaffen. Tropennächte mit mehr als 20 Grad können als Belastung wahrgenommen werden oder die Schlafqualität mindern.

Temperaturschwellen beachten

In Innenräumen gibt es die Luft- und die Raumtemperatur. Die Lufttemperatur ist der Wert, den das Thermometer anzeigt. Die Raumtemperatur wird von Flächen abgestrahlt. Wer sich direkt neben einem Heizkörper oder an einem sonnigen Fensterplatz aufhält, kann seine Umgebung trotz niedriger Lufttemperatur im Raum als deutlich wärmer empfinden. Für die Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz ist vor allem die Lufttemperatur entscheidend.

Beim Überschreiten bestimmter Temperaturschwellen sind laut Arbeitsstättenverordnung (ArbStättVO, § 3 Absatz 1) in Verbindung mit den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR, Ziffer 3.5) Maßnahmen erforderlich. Hier einige Beispiele:

  • 20 bis 22 Grad gelten als ideale Temperatur für einen Büroarbeitsplatz.
  • Ab 26 Grad empfinden die Beschäftigten die Temperatur als unangenehm. Der Arbeitgeber muss jetzt für Abkühlung, etwa durch geeigneten Sonnenschutz, sorgen.
  • Bei mehr als 30 Grad müssen vom Arbeitgeber zum Beispiel Getränke bereitgestellt werden.
  • Steigt die Temperatur im Raum über 35 Grad, kann dort (theoretisch) nicht mehr gearbeitet werden. Der Arbeitgeber kann dann zum Beispiel andere Räume zur Verfügung stellen. Denn er ist verpflichtet, die Arbeit so zu gestalten, dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit vermieden wird und verbleibende Gefährdungen geringgehalten werden (§ 4 Arbeitsschutzgesetz ArbSchG).

Ein wichtiger Hinweis: Egal wie heiß es ist – Arbeitnehmende dürfen nicht einfach selbst „hitzefrei“ nehmen. Das ist ein Verstoß gegen den Arbeitsvertrag und kann zu Abmahnung und im Wiederholungsfall zur Kündigung führen.

Sinnvoll: Ein Hitzeaktionsplan

Die Verantwortlichen im Unternehmen müssen die Risiken, die durch den Klimawandel auftreten, ernst nehmen und die Beschäftigten konsequent und frühzeitig vor gesundheitlichen Gefahren schützen. Dafür bietet sich ein Hitzeaktionsplan an und als erster Schritt eine entsprechende Gefährdungsbeurteilung. Unterstützung bieten die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen.

Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip

Um Hitzebelastung in Innenräumen zu verringern, sollten zuerst technische, dann organisatorische und zuletzt persönliche Maßnahmen (TOP-Regel) ergriffen werden. Hier einige Beispiele dazu:

Technische Maßnahmen

  • Als Hitzeschutz besonders geeignet sind außenliegende Rollläden oder Jalousien. Sie verringern den Wärmeeintrag auf bis zu fünf Prozent.
  • Vorhänge und Jalousien bieten vor allem Schutz vor grellem Sonnenlicht. Je dichter ihr Material, desto mehr dunkeln sie den Raum ab. Hitze können sie aber nur in geringem Maße reduzieren.
  • Mit Sonnenschutzfolien lässt sich ein Raum ebenfalls vor Sonnenstrahlen abschirmen. Laut Stiftung Warentest können sie – außen angebracht – bis zu 60 Prozent der Sonnenenergie abhalten und die Hitze im Raum reduzieren.
  • Werden Schutzfolien dauerhaft angebracht, ist das eine Veränderung am Erscheinungsbild der Immobilie. In diesem Fall muss der Eigentümer zustimmen. Daran sollte man auch im Homeoffice denken.
  • Eine übermäßige Wärmespeicherung im Mauerwerk kann durch eine gute Außendämmung verhindert werden.
  • Für ein angenehmes Raumklima kann eine Klimaanlage sorgen. Um die Erkältungsgefahr und den Temperaturstress für den Körper gering zu halten, sollte der Temperaturunterschied zwischen dem klimatisierten Raum und der Außenluft jedoch maximal 6 Grad betragen.
  • Für Abkühlung sorgen auch Ventilatoren. Sie wälzen die Luft aber nur um. Und Vorsicht: Die Zugluft, die entsteht, kann zu Erkältung oder einem steifen Hals führen und Staub oder Pollen aufwirbeln – was insbesondere für Allergiker zum Problem werden kann.
  • Mobile Klimageräte kühlen die Luft ab. Allerdings brauchen sie viel Strom und ihre Betriebsgeräusche können als belastend wahrgenommen werden.
  • Oft unterschätzt: Bürogeräte erzeugen Hitze. Werden sie nicht genutzt, sollten sie ausgeschaltet werden.

Organisatorische Maßnahmen

  • Am besten ist es, nachts und/oder frühmorgens ausgiebig (quer) zu lüften.
  • Wenn möglich sollte vor und/oder nach der stärksten Hitzephase am Tag gearbeitet werden, wie das in südlichen Ländern praktiziert wird.
  • Um der Hitze im Büro zu entkommen, kann das Arbeiten im Homeoffice eine Lösung sein.
  • Wenn Hitze die Produktivität und das gesundheitliche Wohlbefinden der Mitarbeitenden stark beeinträchtigt, können sich verkürzte Arbeitszeiten positiv auswirken.

Persönliche Maßnahmen

  • Bei Hitze braucht der Körper mehr Flüssigkeit, um schwitzen zu können. Trinken Sie also viel Wasser oder lauwarmen Kräutertee. Für geschmackliche Abwechslung sorgen ein paar Beeren, frische Kräuter wie Pfefferminze oder Zitronenmelisse oder zwei, drei Scheiben Zitrone oder Gurke im Getränk.
  • Tragen Sie leichte, luftige Kleidung.
  • Bringen Sie sich ein Paar offene Schuhe mit, die Sie zum Beispiel am Schreibtisch anziehen können.
  • Machen Sie häufiger kurze Pausen.
  • Sorgen Sie für Abkühlung durch ein kühles Fußbad, Coolpacks auf den Füßen oder lassen Sie kaltes Wasser über Ihre Handgelenke laufen.
  • Füllen Sie Wasser in eine Sprühflasche und benetzen Sie hin und wieder Gesicht und Nacken. 
  • Legen Sie sich ein kleines, feuchtes (Hand-)Tuch auf den Nacken oder umwickeln Sie die Handgelenke und Füße damit.

  • Auch eine Yoga-Atemübung kann für Kühlung sorgen. Atmen Sie dafür durch die gerollte Zunge oder einen O-Mund lang und tief ein, legen Sie die kalte Zunge an den Gaumen und atmen Sie durch die Nase wieder aus. Machen Sie die Übung mindestens zehnmal hintereinander.

Heiße Luft aussperren

Wenn am Nachmittag im Büro oder Seminarraum 28 Grad herrschen, öffnen viele die Fenster. Die leichte Luftbewegung, die selbst bei einer Außentemperatur von 36 Grad entsteht, lässt die Hitze zunächst erträglicher wirken. Doch die Wärme, die beim Stoßlüften oder durch ein gekipptes Fenster in den Raum einströmt, lässt sich später kaum wieder nach außen transportieren. Deshalb sollten die Fenster tagsüber bei hohen Außentemperaturen unbedingt komplett geschlossen bleiben! Besser ist es, öfter kurze Pausen zu machen, dabei die Zimmertür zum Flur zu öffnen und selbst für einen Moment ein kühles Schattenplätzchen an der frischen Luft aufzusuchen.


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