Betriebliches Gesundheitsmanagement

Relevanz des BGM nimmt zu – Wohlbefinden von Beschäftigen zu steigern ist nur zweitrangig

Foto: Trueffelpix – Fotolia.com

Die Ergebnisse von Umfrage und Experteninterviews der „Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)“ zeigen, dass die Bedeutung des BGM zukünftig signifikant steigen wird. Fokussierte Themen wie psychische Erkrankungen und Zielgruppen wie ältere Beschäftigte werden einen noch höheren Stellenwert einnehmen. Allerdings ist die Steigerung des Wohlbefindens und der Gesundheit der Beschäftigten nur für wenige Befragte der primäre Beweggrund für ein BGM. Viele Arbeitgeber motiviert der Wunsch, dadurch die interne und externe Reputation des Unternehmens zu verbessern.

Trübe Aussichten für Beschäftigte und Arbeitgeber: Die krankheitsbedingten Fehlzeiten und die Anzahl der Langzeiterkrankungen sind in Deutschland in den vergangen Jahren angestiegen. Die Beschäftigten stehen unter einem starken Termin- und Leistungsdruck, was sie zunehmend psychisch belastet.

Vor diesem Hintergrund fällt dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) eine wichtige Rolle zu. Dass Unternehmensvertreter dem Thema aktuell dennoch nur einen geringen Stellenwert zuschreiben, zeigt die „Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement“, die auf Initiative des Messeveranstalters spring Messe Management zusammen mit Prof. Dr. Jochen Prümper (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) und Prof. Dr. Jens Nachtwei (Humboldt-Universität zu Berlin, Hochschule für angewandtes Management und IQP) realisiert wurde. In weniger als der Hälfte der 556 befragten Unternehmen (43,5 Prozent) wurden zum Zeitpunkt der Befragung Maßnahmen eines BGM durchgeführt.

Zufriedene Mitarbeiter für KMU wichtiger als für Großunternehmen
Signifikante Unterschiede zwischen dem BGM verschiedener Unternehmensgrößen und verschiedener Länder im deutschsprachigen Raum verdeutlichen Differenzen in der Qualität und Quantität der betrieblichen Gesundheitspolitik. So ist das Bewusstsein für die Relevanz eines BGM in den kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) geringer als in großen Unternehmen. Während ein Beitrag zur Zufriedenheit der Mitarbeiter bei der Einführung des BGM für die Befragten der KMU (65,3 Prozent) vorrangiger ist als für die Befragten großer Unternehmen (49,1 Prozent), ist für diese (40,9 Prozent) wiederum der demografische Wandel relevanter als für Befragte der KMU (20,4 Prozent).

Alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung ist Trendthema Nr. 1
Gleichzeitig legt die Studie eine Intensivierung der Gesundheitspolitik in der Zukunft nahe. Auf einer Skala von 1 (kein Stellenwert) bis 7 (sehr hoher Stellenwert) erreicht das Thema BGM laut Befragung derzeit den Wert 3,8. In den nächsten fünf Jahren steigt er nach Einschätzung der Befragten auf 5,2, in zehn Jahren auf 5,7. Auch Zielgruppen und Themen innerhalb des BGM werden stärker fokussiert. Das Thema „alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung“ weist die größte Zuwachsrate auf. Aktuell führen jedoch nur ein Sechstel der Unternehmen (16,5 Prozent) entsprechende Maßnahmen durch. Auch psychische Erkrankungen, insbesondere die Thematisierung von Burnout, rücken in der Zukunft in den Fokus.

Experteninterviews: Verständnis und Beweggründe differieren
Aus welchen Gründen ein BGM in der betrieblichen Praxis eingeführt wird und welche Hoffnungen damit bei den Arbeitgebern verbunden sind, ermittelte Janina Zinke (Master-Studentin im Bereich Sozial- und Organisationspsychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin) in Experteninterviews (53 Befragte). Die Aussagen in den Interviews bestätigen die Ergebnisse der Umfrage: 92,5 Prozent der Befragten gaben an, dass der Stellenwert des BGM in Zukunft steigen wird.

Die vertiefenden Interviews zeigen zudem, dass sowohl die Gründe für ein BGM als auch die Gestaltung desselben stark variieren. So basiert beispielsweise der Fokus auf ältere Beschäftigte und Führungskräfte in den Unternehmen auf einem unterschiedlichen Verständnis. Einige Unternehmen beziehen ihre BGM-Instrumente vorwiegend auf ältere Beschäftigte, während andere vor allem von einer individuellen Thematisierung und Arbeitsplatzgestaltung sprechen. Als Hauptbestandteile einer alternsgerechten Arbeitsplatzgestaltung wurden eine Flexibilisierung von Arbeitszeitmodellen (37,7 Prozent) und altersgemischte Teams (24,5 Prozent) genannt. Fokus auf Führungskräfte bedeutete für einige Befragte, die Führungskraft lediglich als Akteur im BGM zu betrachten, wohingegen andere exklusive Gesundheits-Check-Ups nur für Führungskräfte anbieten.

Mehr als ein Drittel der Unternehmen: Reputation mit BGM steigern
Dass das Thema Gesundheit zunehmend in den Fokus der Arbeitgeber rückt, führten die Experten auf den demografischen Wandel (45,3 Prozent) und einen zukünftigen Fachkräftemangel (30,2 Prozent, Mehrfachnennungen möglich) zurück. Sie äußerten darüber hinaus die Annahme, dass ein BGM die Reputation eines Unternehmens beeinflussen könne und es dadurch an Relevanz gewinne (37,7 Prozent). Dass man das Wohlbefinden der Mitarbeiter fördern (15,1 Prozent) und den gestiegenen Arbeitsbelastungen entgegen wirken wolle (28,3 Prozent), nannten deutlich weniger Befragte.

Arbeitnehmer sind skeptisch gegenüber BGM
So mag es wenig überraschend sein, dass Beschäftigte dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement nicht selten skeptisch gegenüberstehen. Fragen wie „Warum kümmert man sich auf einmal um mich?“ und „Warum soll ich mit meinem Chef Sport treiben?“ begegnen einigen Interviewten in ihrer täglichen Arbeit. Um Beschäftigte zur Teilnahme am BGM zu motivieren, sei eine regelmäßige, transparente Information über mehrere Kanäle notwendig. Neben der Budgetplanung sowie Maßnahmenkonzeption und -durchführung gilt die interne Kommunikation insofern als größte Herausforderung, mit der sich BGM-Beauftragte in der betrieblichen Praxis konfrontiert sehen.

„Die Experteninterviews machen deutlich, dass die Implementierung eines BGM eine anspruchsvolle Aufgabe mit noch ungelösten Herausforderungen ist. Die Befragten sind überzeugt, dass sie in das nötige Personal und die Kommunikation durch Führungskräfte investieren müssen, damit ihr BGM Erfolg hat“, kommentiert Interviewerin Janina Zinke von der Humboldt-Universität zu Berlin. Mögen die Motive dafür unterschiedlich sein, eins scheint jedoch gewiss: Auf lange Sicht lohnt sich dieses Investment in die Aufrechterhaltung der Mitarbeitergesundheit allemal für die Unternehmen.

Über die Studie
Die „Trendstudie Betriebliches Gesundheitsmanagement“ hat der Messeveranstalter spring Messe Management (Veranstalter der Messen Zukunft Personal, PERSONAL, Personal Austria und Corporate Health Convention) initiiert und gemeinsam mit Prof. Dr. Jochen Prümper (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) und Prof. Dr. Jens Nachtwei (Humboldt-Universität zu Berlin, Hochschule für angewandtes Management und IQP) durchgeführt.

Die Studie startete im November 2013 mit einer Online-Befragung (556 Teilnehmer). Im März 2013 führte Janina Zinke (Master-Studentin für Sozial- und Organisationspsychologie an der Humboldt-Universität zu Berlin) zudem Experteninterviews zum Thema durch. Die Mehrzahl der 53 Befragten arbeitet in Deutschland (3 Befragte aus Österreich). Sie sind vor allem in der Personalabteilung tätig und in dieser Position für die Durchführung und Koordinierung des BGM verantwortlich (41,5 Prozent). Aus dem Betriebs- oder Personalrat stammen 15,1 Prozent der Teilnehmer. 13,2 Prozent der Befragten sind Führungskräfte oder Geschäftsführer. Die Befragten befassten sich im Mittel seit zehn Jahren mit Themen des BGM.

Stefanie Hornung

spring Messe Management

Aktuelle Ausgabe

Partnermagazine

Akademie

Partner