EU-OSHA

Arbeiten in der digitalen Zukunft – eine neue Studie prognostiziert künftige Sicherheits- und Gesundheitsrisiken

Foto: Alexander Limbach /stock.adobe.com

Eine zunehmende Überwachung von Arbeitskräften, eine Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, häufige Arbeitsplatzwechsel und die Verwaltung von Arbeit durch Algorithmen können die Belastung von Arbeitskräften erhöhen. Höhere ergonomische Risiken, verursacht durch Mensch-Maschinen-Schnittstellen und zunehmendes onlinebasiertes bzw. mobiles Arbeiten, werden ebenfalls als mögliche Ergebnisse der zunehmenden Digitalisierung am Arbeitsplatz identifiziert.

Die Digitalisierung und das Aufkommen neuer Technologien beeinflussen die Natur von Arbeitsplätzen und Aufgaben, die Sektoren und Industrien, in denen die Menschen arbeiten werden, und sogar die Wahrnehmung der Arbeit. Trends deuten darauf hin, dass bis 2025 IKT-gestützte Technologien die Geräte, Tools und Systeme verändert haben werden, die zur Organisation, zur Verwaltung und zur Bereitstellung von Produkten, Dienstleistungen und Wissen verwendet werden. Im Bericht – Prognose neuer und aufkommender Risiken im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit im Zusammenhang mit der Digitalisierung 2025 – werden die potenziellen Auswirkungen der Digitalisierung untersucht: kollaborative Robotik, künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge, autonome Fahrzeuge, die Bionik, die virtuelle und erweiterte Realität, tragbare Technologie, Big Data, 3D- und 4D-Druck sowie Online-Plattformen.

Zu diesem Zweck werden vier Szenarien des Arbeitslebens im Jahr 2025 erstellt, die gesellschaftliche, technologische, wirtschaftliche, ökologische und politische Kontexte berücksichtigen. Im Rahmen dieser Szenarien werden potenzielle Unterschiede bei den Einstellungen von Regierungen und der Öffentlichkeit gegenüber den digitalen Entwicklungen beleuchtet. Es wird außerdem das wirtschaftliche Wachstum und die Anwendung neuer Technologien in den nächsten Jahren untersucht. Es wird eine Reihe potenzieller Auswirkungen von Entwicklungen im Bereich der digitalen Technologien auf die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit erforscht, um eine informierte Debatte darüber anzuregen, wie eine robuste Planung und Politikgestaltung die Zukunft von Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz in einer digitalen Welt beeinflussen könnten. Die Szenarien (Evolution, Transformation, Exploitation und Fragmentierung) umfassen Fachinformationen, die im Rahmen von Literaturrecherchen, Telefoninterviews, Online-Umfragen und Workshops gesammelt wurden.

Beim Szenario „Evolution“ beispielsweise wird angenommen, dass die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums und die Anwendung neuer Technologien langsam sein werden und die Regierung einen starken Fokus auf die Arbeitnehmerrechte, das soziale Wohlergehen, die Gesundheit und die Bildung legen wird. Bei diesem Szenario dürften die Risiken, was die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz anbelangt, und ihre Prävention besser bekannt sein als bei anderen Szenarien, da neue Technologien nur langsam angenommen werden. Möglicherweise werden einige dieser Technologien aufgrund der eingeschränkten finanziellen Ressourcen von Unternehmen jedoch nicht gut verwaltet.

Die Herausforderungen und Chancen für die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz werden bei jedem Szenario einzeln untersucht; dabei werden auch Probleme festgestellt, die allen vier Szenarien gemeinsam sind. Es werden einige positive Ergebnisse prognostiziert, z. B. dass Menschen dank der Roboter- und Automatisierungstechnik wahrscheinlich weniger häufig in traditionellen Gefahrenbereichen arbeiten werden.

Psychosoziale und organisatorische Faktoren werden voraussichtlich jedoch an Bedeutung gewinnen, da das digitalisierte Arbeiten Änderungen herbeiführt, wie etwa eine verstärkte Überwachung von Arbeitskräften, die Annahme einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, häufigere Arbeitsplatzwechsel und die Verwaltung von Arbeit und Arbeitskräften durch Algorithmen. All dies kann die Belastung der Arbeitskräfte erhöhen. Höhere ergonomische Risiken, verursacht durch Mensch-Maschinen-Schnittstellen und zunehmendes onlinebasiertes bzw. mobiles Arbeiten, sowie höhere Cybersicherheitsrisiken werden ebenfalls als mögliche Ergebnisse der zunehmenden Digitalisierung am Arbeitsplatz identifiziert.

Digitale Technologien erleichtern auch neue Formen, was den Beschäftigungsstatus anbelangt, wobei eine zunehmende Anzahl von Arbeitskräften (zu Recht oder Unrecht) als selbstständig behandelt wird und daher nicht unter die geltenden Rechtsvorschriften über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit fallen könnte, was eine Herausforderung für die bestehenden Mechanismen zur Verwaltung und Regulierung von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz darstellt.

Zur Bewältigung der prognostizierten Herausforderungen werden einige mögliche Strategien für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz vorgeschlagen, wie z. B. fortschrittliche arbeitsplatzbezogene Risikobewertungen unter Verwendung der beispiellosen Möglichkeiten, die durch digitale Technologien (Wearables und Big Data) geboten sind, wobei jedoch auch die neuen Herausforderungen, die diese mit sich bringen, berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird ein proaktiver arbeitnehmerorientierter Ansatz für die Planung und Umsetzung von Digitalisierungsstrategien sowie ein Rahmen zur Feststellung von Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz im Zusammenhang mit neuen Systemen und neuen Arbeitsmöglichkeiten empfohlen.

Diese Forschung soll Entscheidungsträger auf EU-Ebene, Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeber darüber informieren, wie die Digitalisierung die Sicherheit und Gesundheit von Arbeitskräften in der EU langfristig beeinflussen könnte, und die Gestaltung entsprechender Forschungsprogramme, politischer Maßnahmen und Strategien im Bereich Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz unterstützen. Es wird ein ganzheitlicher präventiver Ansatz für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz befürwortet, um die negativen Auswirkungen der sich stellenden Herausforderungen auf die Arbeitskräfte, Unternehmen, die Wirtschaft und die Gesellschaft zu minimieren.

Anmerkungen:

1. Die Aufgabe der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) besteht darin, dazu beizutragen, dass die Arbeitsplätze in Europa sicherer, gesünder und produktiver werden. Die Agentur untersucht, entwickelt und verbreitet verlässliche, ausgewogene und unparteiische Informationen über Sicherheit und Gesundheitsschutz und organisiert europaweite Kampagnen zur Sensibilisierung. Die Agentur wurde 1994 von der Europäischen Union gegründet und hat ihren Sitz in Bilbao, Spanien. Sie bringt nicht nur Vertreter der Europäischen Kommission, der Regierungen der Mitgliedstaaten, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, sondern auch führende Sachverständige zusammen – und dies in jedem der 28 EU-Mitgliedstaaten und darüber hinaus.

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2. Ein vernetzter europäischer digitaler Binnenmarkt , in dem regulatorische Hindernisse zwischen Staaten beseitigt, digitale Infrastrukturen verbessert und digitale Kompetenzen ausgebaut werden, stellt eine wesentliche Priorität der Europäischen Kommission dar. Um dies zu unterstützen und im Einklang mit dem Strategischen Rahmen der EU für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz 2014–2020, hat die EU-OSHA dieses Zukunftsforschungsprojekt durchgeführt. Das Projekt folgte dem Aufruf, mögliche negative Auswirkungen von neuen Technologien und Veränderungen in der Arbeitsorganisation auf die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer zu erforschen. Mit dem Projekt werden auch die Grundsätze der Europäischen Säule sozialer Rechte unterstützt, die den breiteren politischen Handlungsrahmen im Bereich Sozialschutz und grundlegende Rechte bildet und das Recht auf faire Arbeitbedingungen beinhaltet.

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