02_Betriebliches Gesundheitsmanagement

Handlungsfelder im Diversity Management

Foto: © kantver/Fotolia

Vielfalt ist in jedem Unternehmen und jeder Einrichtung vorhanden – auch wenn nach außen hin die Belegschaft zunächst ein äußerst homogenes Bild abgibt. Unterschiede gibt es beispielsweise in der Qualifikation der Beschäftigten, in den Beschäftigungsformen (Voll- oder Teilzeit) sowie in der Altersstruktur. Falsch ist es allerdings, den einzelnen Gruppen bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben. Sätze wie „Ältere Berufstätige sind ein Gewinn für Unternehmen“ werden beispielsweise häufig dazu eingesetzt, um die Benachteiligung von älteren Personen im Arbeitsleben zu verhindern – doch genau dadurch werden auch verallgemeinernde stereotype Zuschreibungen reproduziert. Deshalb ist es notwendig, sehr genau zu überlegen, was mit dem jeweiligen Vorgehen bewirkt werden soll. Diese Differenzierung ist insbesondere dann unerlässlich, wenn es darum geht, die unterschiedlichen Potenziale und Interessen innerhalb einer Gruppe zu erkennen. Wichtig ist, das Alltagswissen über die verschiedenen Beschäftigtengruppen von Anfang an zu reflektieren sowie Vorurteile zu hinterfragen und diese schließlich zu verändern. Dies betrifft die gesamte personelle Vielfalt, also sowohl die eher äußerlich wahrnehmbaren Unterschiede (zum Beispiel Geschlecht, Alter, Ethnie, Behinderung), als auch die eher nicht äußerlich wahrnehmbaren Unterschiede (zum Beispiel sexuelle Orientierung, Religion, Lebensstil) sowie soziale Unterschiede (zum Beispiel Qualifikation, Einkommen, hierarchische Stellung).

Diversity Management

Diversity Management beinhaltet das Erkennen, Verstehen und Wertschätzen von Vielfalt. Es greift die personelle Vielfalt als Chance auf, um sie bewusst und produktiv zu fördern. Allgemein kann Diversity Management als ein bewusster und konstruktiver Umgang mit personeller Vielfalt definiert werden. Dazu ist Bereitschaft und Wissen in den Betrieben notwendig.

Handlungshilfe im Internet

Die Nutzung des Instruments „online-diversity“ ermöglicht den Betrieben einen Schritt in diese Richtung. Neben Informationen, Anregungen und Einschätzungen ist es damit möglich, die vorhandene betriebliche Situation im Diversity Management zu überprüfen. Das Angebot ist praxisnah als Werkzeugkasten aufgebaut und dient als Handlungshilfe für den Umgang mit personeller Vielfalt.

Informieren, überprüfen, lernen

Das Instrument „online-diversity“ bietet allen Nutzerinnen und Nutzern interessante Services:

  • „Kurzcheck Diversity“ zum Einstieg: Damit ist auf den ersten Blick zu erkennen, ob und inwiefern das Thema Diversity Management für die eigene Arbeit von Bedeutung ist.
  • Unternehmenscheck Diversity“ für die vertiefende Analyse: Durch die Anwendung erkennen Nutzerinnen und Nutzer sofort den aktuellen Stand des Diversity Managements im eigenen Unternehmen. Die abschließenden Rückmeldungen durch die Anbieter des Angebots vermitteln erste Ideen, wo Verbesserungspotenzial besteht.

Das Instrument ist universell einsetzbar. Es ist auf die Anforderungen von Klein- und Mittelbetrieben zugeschnitten, jedoch auch für Großbetriebe sowie öffentliche und private Einrichtungen nutzbar. Zu den Zielgruppen zählen Geschäftsführungen, Personalverantwortliche, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Diversity- und Gleichstellungsbeauftragte sowie Interessenvertretungen. Alle Angebote sind kostenfrei verfügbar. Umfangreiche Erprobungsphasen in Unternehmen und Einrichtungen sowie die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es sich um ein praxisnahes Instrument handelt. Der Werkzeugkasten wurde von der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund entwickelt und durch die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) und durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) finanziell gefördert.

Relevante Handlungsfelder

Der „Unternehmenscheck Diversity“ behandelt zehn für Diversity relevante betriebliche Handlungsfelder:

  • Unternehmensstrategie
  • Personalmanagement,
  • Arbeitsorganisation und -gestaltung
  • Gesundheit
  • Lohn und Leistung
  • Führung
  • Unternehmenskultur
  • Interessenvertretung
  • Produkt-/Dienstleistungsentwicklung
  • Marketing und Public Relations

Zu jedem Handlungsfeld gibt es umfassende Erläuterungen, welche Rolle Diversity in den jeweiligen Handlungsfeldern spielt. Mit dem Tool ist es auch möglich zu analysieren, ob und wie Maßnahmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz ins Diversity Management einbezogen werden beziehungsweise welche Personen dabei zusammenarbeiten. Im Folgenden werden zwei Handlungsfelder dargestellt, die für die Zielgruppe Fachkräfte für Arbeitssicherheit besonders interessant sind.

Handlungsfeld Arbeitsgestaltung

Ein Erfolg versprechendes Diversity Management beinhaltet eine leistungs- und lernförderliche Arbeitsgestaltung.
Im „Unternehmenscheck Diversity“ wird daher beispielsweise danach gefragt,

  • ob es im Unternehmen genügend Möglichkeiten gibt, um Arbeitsplätze an veränderte Anforderungen der Beschäftigten anzupassen;
  • ob in der Arbeitsgestaltung die verschiedenen Lebenslagen der Beschäftigten berücksichtigt werden;
  • ob bei der Gestaltung der Arbeitszeit die Bedürfnisse und Interessen der Beschäftigten aus allen Hierarchiegruppen berücksichtigt werden;
  • ob Work-Life-Balance-Konzepte vorhanden sind.

Handlungsfeld Gesundheitsschutz

Ein Erfolg versprechendes Diversity Management beinhaltet bei den Konzepten zur Gesundheitsförderung und zum Arbeitsschutz die vielfältigen Sichtweisen und Anforderungen einer vielfältigen Belegschaft. Im „Unternehmenscheck Diversity“ wird daher beispielsweise danach gefragt,

  • ob Angebote zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens vorhanden sind;
  • ob diese Angebote auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der unterschiedlichen Beschäftigten abgestimmt sind;
  • welche Beschäftigtengruppen die Angebote wahrnehmen;
  • ob regelmäßig Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt werden.

Einsatzmöglichkeiten und Nutzen

Der Werkzeugkasten „online-diversity“ bietet Informationen zum Thema Diversity Management und die Möglichkeit, die eigene Situation zu überprüfen. Er löst somit für die Praxis nützliche Lernprozesse aus. Arbeitgeber, Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie andere Akteurinnen und Akteure erhalten Unterstützung bei der Gestaltung ihres Diversity Managements. Kern des als Handlungshilfe gedachten Werkzeugkastens ist der vorgestellte umfassende „Unternehmenscheck Diversity“. Die Bearbeitungszeit liegt bei rund 60 Minuten. Die Handlungsfelder können allerdings auch einzeln bearbeitet und bewertet werden. Dieser Fragebogen wird ergänzt um den „Kurzcheck Diversity“ mit einer Bearbeitungszeit von etwa zehn Minuten. Er soll Interesse am Thema wecken. Die Ergebnisse geben einen kürzeren Einblick in das Thema und den eigenen Umgang mit personeller Vielfalt.

Wer den „Unternehmenscheck Diversity“ nutzt, erhält für die gesamte Befragung und für jedes Handlungsfeld

  • eine automatisierte Aus- und Bewertung der Antworten mit Punktwerten,
  • eine Visualisierung der Ergebnisse in den Ampelfarben rot, gelb und grün,
  • eine grobe inhaltliche Auswertung,
    die erste Anhaltspunkte über mögliche Gestaltungsmöglichkeiten geben soll.

Durch die Möglichkeit der Wiederholungsbefragung lassen sich Verände-rungen (zum Beispiel durch Diversity-Trainings oder erfolgte Änderungen) feststellen .

Abschließend ist noch darauf hinzuweisen, dass die Verwendung des Tools und die Auswertung der Ergebnisse anonym erfolgen. Sie stehen ausschließlich den jeweiligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung. Der Werkzeugkasten ist abrufbar unter

www.online-diversity.de


Autorin

Dr. Edelgard Kutzner

Mitglied im Vorstand der Sozialforschungsstelle, Technische
Universität Dortmund

kutzner@sfs-dortmund.de


Literatur

Kutzner, Edelgard (2016): Diversity Management in der betrieblichen Praxis. Sensibilisierungen, Orientierungen und Empfehlungen, in: Genkova, Petia; Ringeisen, Tobias (Hrsg.): Handbuch Diversity Kompetenz: Perspektiven und Anwendungsfelder; Berlin [u.a.]: Springer.




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