Rubriken

WHO-Empfehlung zur Impfung gegen saisonale Influenza: Impfstoff mit vier Virusstämmen

Neben den bisherigen drei Virusstämmen wird ein zweiter B-Virusstamm für die saisonale Grippeimpfung empfohlen. Der traditionelle, trivalente Impfstoff enthält in diesem Jahr die drei Stämme A/ChristChurch/16/2010 (H1N1), A/Texas/50/2012 (H3N2) und B/Massachusetts/2/2012. Die WHO empfiehlt seit Februar als zweiten B-Stamm B/Brisbane/60/2008.1 Der hiermit um einen vierten Virusstamm erweiterte tetravalente Influenzaimpfstoff steht erstmals für die kommende Grippesaison europaweit zur Verfügung.2 „In der Grippewelle 2012/2013 gab es geschätzte 7,7 Millionen influenzabedingte Arztbesuche, nur 2004/2005 war diese Zahl höher. Die Zahl der Krankschreibungen erreichte mit geschätzten 3,4 Millionen Personen (zwischen 15 bis 59 Jahre) den höchsten Wert in den letzten zehn Jahren.“3

In den letzten Jahren traten sechs mal vorwiegend andere B-Virusstämme auf als es erwartet wurde. In manchen Jahren zirkulierten auch beide Stämme. Infektionen mit Influenza-B-Stämmen machten in den letzten Jahren ca. ein Drittel der Influenzainfektionen aus. „Die Schutzwirkung (Effektivität) der Influenzaimpfung ist geringer als bei vielen anderen von der STIKO empfohlenen Impfungen. Dies hat unter anderem mit den sich ständig ändernden Eigenschaften des Influenzavirus zu tun, liegt aber auch daran, dass vor allem ältere Menschen gegen Influenza geimpft werden, deren Immunsystem generell weniger gut auf Impfungen anspricht.“4 Für über 60-jährige und immunsupprimierte bieten sich adjuvantierte Impfstoffe an. Durch die Impfung mit tetravalenten Impfstoffen verspricht man sich mittelfristig eine Verringerung der Influenzainfektionen trotz durchgeführter Impfung.

In der kommenden Saison wird nur wenigen der innovative tetravalente Impfstoff zur Verfügung stehen, da durch das Ausschreibeverfahren der GKV in fast allen Bundesländern ein trivalenter Impfstoff den Zuschlag erhalten hat. Besonders sinnvoll wäre die Impfung mit tetravalentem Influenzaimpfstoff für Reisende in andere Kontingente.

Der Hausarzt steht vor dem Dilemma, dass er den von der WHO empfohlenen Impfstoff nicht über Sprechstundenbedarf beziehen kann. Er hat die Möglichkeit, InflusplitTM Tetra auf einem Privatrezept zu rezeptieren und kann den Patienten raten, dies bei der Krankenkasse, mit Bitte um Erstattung oder zumindest Teilerstattung, einzureichen. Für Betriebe ließe sich der Einkauf größerer Kontingente vorstellen.

In der Fachinformation steht unter Bezeichnung des Arzneimittels „Injektionssupension in Fertigspritze Influenza-Spaltimpfstoff (inaktiviert)“. Die Fertigspritze wird ohne Kanüle ausgeliefert, d. h. es besteht die Möglichkeit, die Spritze ohne Kanüle von Luftbläschen zu befreien und anschließend eine unbenetzte Kanüle aufzusetzen. Durch den nicht kontaminierten Außenmantel werden Lokalreaktionen reduziert.

Leider sind immer noch Fertigspritzen mit fest verarbeiteten Kanülen im Handel, die nicht den Bedingungen von sicheren Instrumenten laut TRBA 2505 entsprechen. Diese technische Regel für biologische Arbeitsstoffe hat bereits seit 2003 Gültigkeit. Sie wurde in den folgenden Jahren mehrfach präzisiert. Ein Arzt darf Impfungen nicht delegieren, wenn sie nicht mit sicheren Instrumenten durchgeführt werden können. Mit konventionellen Fertigspritzen mit festen Kanülen dürfen also keine Impfungen durch Medizinische Fachangestellte unter ärztlicher Aufsicht in Betrieben durchgeführt werden.

Für die Influenzawelle 2014/2015 wäre es wünschenswert, wenn auch adjuvantierte (wirkverstärkte) saisonale tetravalente Influenza-Impfstoffe zur Verfügung stünden. Insbesondere sollten auch Wahlmöglichkeiten für GKV-Patienten bestehen, was bei dem aktuellen Ausschreibungsverfahren nicht der Fall ist.

Uwe Ricken

Literatur

1. WHO, World Health Organization (2013): Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2013–14 northern hemisphere influenza season. URL: http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2013_14_north/en/, letzter Zugriff: 08.09.2013

2. gsk, GlaxoSmithKline (2013): Pressemeldung, Zwei saisonale Grippe-Impfstoffe von GSK für Saison 2013/2014 in Deutschland ab sofort verfügbar. URL: http://www.glaxosmithkline.de/mediaRelation.do?articleID=pressemeldungen_e13426, letzter Zugriff:08.09.2013

3. PEI, Paul-Ehrlich-Institut (2013): 19 Wochen Grippe – Vorbeugen vor der neuen Grippewelle. URL: http://www.pei.de/, letzter Zugriff: 22.09.2013

4. RKI, Robert Koch-Institut (2013): Saisonale Influenzaimpfung: Häufig gestellte Fragen und Antworten. URL: http://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Impfen/Influenza/faq_ges.html, letzter Zugriff: 08.09.2013

5. ABAS, Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (2003): TRBA 250, Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe, Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege.