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Neue Zeiten in der Arbeitsmedizin – Mehr „Arzt sein“ wagen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, den meisten von Ihnen wird es nicht entgangen sein: Unser Fachgebiet befindet sich derzeit in einer Umbruchphase, welche neues Denken und Handeln erforderlich macht. Veränderte rechtliche Rahmenbedingungen wie z.B. die ArbMedVV oder die explizite Aufführung der psychischen Belastung als Bestandteil der Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsschutzgesetz erfordern ein neues Selbstverständnis unseres Fachgebietes. Der Umbruch kann daher auch als Aufbruch verstanden werden.

Durch die Neufassung der ArbMedVV hat der Verordnungsgeber die arbeitsmedizinische Beratung gestärkt und sich klar zur Beratungskompetenz der Betriebsärzte bekannt. Auch die Erforderlichkeit körperlicher Untersuchungen wurde wieder mehr von der ärztlichen Beurteilung auf der Grundlage von dessen Fachwissens und Erfahrung abhängig gemacht. Gerade diese Tatsache ist ein wichtiges Argument gegen die Substitution unseres Fachgebietes durch andere, nicht ärztliche Berufsgruppen. Im Vordergrund sollte primär das ärztliche Gespräch und nicht das Abarbeiten von G-Grundsätzen stehen. Diese neue Rolle, weg vom Reihenuntersucher, hin zum ärztlichen Berater, gilt es nun anzunehmen und auszufüllen. Dies mag zunächst für Unsicherheiten sorgen, aber schnell werden die meisten herausfinden, dass das Studium von neuen Forschungsergebnissen, die kritische Auseinandersetzung mit Fachliteratur und der aktive Austausch mit Fachkollegen, kurzum das wieder „mehr Arzt sein“, eine spannende Herausforderung ist. Viele Kolleginnen und Kollegen haben dies in der Vergangenheit bereits erfolgreich praktiziert. Gerade wir als selbstständige Arbeitsmediziner und Betriebsärzte können hier mit einem hohen Grad an Kompetenz, Präsenz und Kontinuität einen hohen Qualitätsstandard setzen.

Mit Sorge verfolgen wir als Verband die Nachwuchsentwicklung in unserem Fachgebiet. Wir freuen uns, dass durch die Gründung des „Aktionsbündnisses zur Sicherung des arbeitsmedizinischen Nachwuchses“ das Thema aufgegriffen wird und sind stolz darauf, hier als Gründungsmitglied von Anfang an dabei zu sein. Wir werden nicht müde werden, die wichtige Rolle der selbstständigen Betriebsärzte und Arbeitsmediziner zu betonen, denn wir sind davon überzeugt, dass eine erfolgreiche und dauerhafte Nachwuchsgewinnung nur dann gelingen kann, wenn die sowohl inhaltlich interessante als auch finanziell befriedigende Tätigkeit als selbstständiger Betriebsarzt vom ärztlichen Nachwuchs als ernsthafte Alternative zu anderen medizinischen Fachdisziplinen wahrgenommen wird. Auch hier kann das oben erwähnte „mehr Arzt sein“ dazu beitragen, die Reputation unseres Fachgebietes zu verbessern.

Das Thema psychische Belastungen ist in den Medien überall präsent und wird nicht zuletzt durch die Änderung des Arbeitsschutzgesetzes, welche die Bedeutung von psychischen Gefährdungsbeurteilungen stärkt, in immer mehr Betriebe Einzug erhalten. Wir Betriebsärzte sollten dieses Zukunftsthema als Herausforderung sehen und diese aktiv annehmen, anderenfalls werden andere Berufsgruppen dies tun. Die Rahmenbedingungen durch die DGUV-Vorschrift 2 bieten uns hier im Rahmen der betriebsspezifischen Betreuung genügend Freiräume, um in den Betrieben aktiv werden zu können.

Neue Zeiten in der Arbeitsmedizin, das bedeutet auch hin und wieder neue Gesichter. Nach langjähriger engagierter Tätigkeit als erster Vorsitzender des BsAfB hat sich Dr. Uwe Ricken auf der diesjährigen Mitgliederversammlung nicht mehr zur Wahl gestellt. 10 Jahre hat Dr. Ricken die Geschicke des BsAfB geleitet und dem Verband ein Gesicht gegeben. Hierbei hat er unzählige Stunden in die Verbandsarbeit investiert. Wir als neugewählter Vorstand möchten „Uwe“ an dieser Stelle auch im Namen aller Mitglieder für das außerordentliche Engagement danken und nehmen das Angebot gerne an, dass wir uns auch zukünftig mit Rat und Tat an ihn wenden können.

Wir würden uns freuen, wenn „alte Hasen“ dem BsAfB weiterhin die Treue halten würden, aber wir möchten auch neue Kollegen ansprechen und als neue Mitglieder hinzugewinnen. Unser Ziel ist es, dass Mitglieder noch stärker als bisher von einer Mitgliedschaft in unserem Berufsverband profitieren. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir uns viel vorgenommen. Ein Ausbau des Servicebereiches für unsere Mitglieder auf unserer Website sei hier nur ein Beispiel.

Ein Verband lebt und fällt mit seinen Mitgliedern. Deshalb rufen wir an dieser Stelle auf zu tatkräftiger Unterstützung – für einen gemeinsamen Aufbruch in neue Zeiten.

Dr. Ingo Ochlast

Vorsitzender des BsAfB

Silke Kretzschmar

stellv. Vorsitzende des BsAfB

Sebastian Hansen

Schatzmeister des BsAfB

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