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Reha-Forschung: Gute Kommunikation senkt Fehlzeiten

Rehabilitanden, die ihren Kontakt zum behandelnden Arzt oder Therapeuten sehr positiv einschätzen, profitieren mehr von einer Rehabilitation als Patienten, die diesen weniger positiv oder negativ bewerten. „Gute Gespräche mit Ärzten und Therapeuten wirken sich – auch langfristig – auf messbare Behandlungsergebnisse aus: Wird der Kontakt positiv eingestuft, leiden Patienten sechs Monate nach der Entlassung weniger unter ihren Schmerzen, sind seltener depressiv verstimmt und kürzer krankgeschrieben“, sagt Dr. Susanne Dibbelt vom Institut für Rehabilitationsforschung Norderney mit Sitz in Bad Rothenfelde. Die Diplom-Psychologin hat in mehreren rehabilitationswissenschaftlichen Studien belegt, dass die Qualität der Kommunikation auch einen Einfluss auf den langfristigen Reha-Erfolg hat.

Mit ihrem Team befragt sie dabei sowohl die behandelnden Ärzte wie auch die Patienten. „Wir waren selbst erstaunt über das Ausmaß der Effekte. Ärzte und Patienten schaffen in den Gesprächen offenbar etwas Eigenes und Neues, was nicht allein durch Patienten- oder Arztmerkmale wie etwa Art und Schwere der Erkrankung, Bildungsstand oder ähnliches erklärbar ist. Die Kommunikation ist ein eigenständiger Faktor, der sich auf den Krankheitsverlauf auswirkt“, erklärt Dr. Dibbelt. Neben der Qualität der Kommunikation sei auch die Passung der Kommunikationsstile wichtig: Während der eine schnell zu einem Ergebnis und Abschluss des Gespräches kommen will, so die Reha-Psychologin, braucht der andere mehr Details und Austausch. Diese unterschiedlichen Bedürfnisse zu erkennen und sich im Gespräch auf sie einzustellen, gehört ebenfalls zur Aufgabe eines professionellen Kommunikators. „In unseren Projekten erfassen wir diese Faktoren mithilfe von Fragebögen, die von Patienten und Behandlern ausgefüllt werden, und können so der Frage näher kommen, was gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient ausmacht“, sagt die Projektleiterin.

Die oben genannten Ergebnisse stammen aus dem P.A.INT Projekt (Patient-Arzt-Interaktion), in dem 60 Ärzte und 470 Patienten aus sieben Reha-Einrichtungen ihre gemeinsamen Gespräche hinsichtlich der genannten Aspekte bewertet haben. Später wurden die Ärzte gezielt zu den Aspekten trainiert, die laut den Gesprächsbewertungen zu verbessern waren. Der P.A.INT- Fragebogen erfasst die Aspekte „emotionale Beziehungsgestaltung“, „Partizipation“ und „Verständlichkeit der Information“ mit insgesamt 48 Items. Eine analoge Studie zur Optimierung der Pflegerischen Patientenkontakte führt das Team um Susanne Dibbelt derzeit mit 120 Pflegekräften und 2400 Patienten in sechs Reha-Einrichtungen durch. Die naturwissenschaftliche Orientierung des Medizinstudiums führe dazu, so Dr. Dibbelt, dass die Ausbildung kommunikativer Fertigkeiten und die besonderen Erfordernisse in der Rehabilitation zu kurz kommen. Dies ändere sich erst langsam durch neue Studienordnungen, nach denen die Kommunikation mit Patienten praktisch trainiert werden muss und auch Gegenstand von Prüfungen ist. „Auch die Arbeitsorganisation hat Einfluss darauf, wie gut die Kommunikation funktioniert. Informationen aus den Patientengesprächen müssen im Team verständlich und professionell ausgetauscht werden. Die Balance zwischen Vertraulichkeit und Transparenz zu halten, ist dabei eine weitere Herausforderung“, fasst Dr. Susanne Dibbelt zusammen.

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