Sonstiges

Zytoprotektion, Spurenelemente und Elektrolyte in der Tumortherapie, J. Büntzel, K. Kisters, O. Micke, R. Mücke (Hrsg.)

Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle,
München, 2004, X + 182 S.,
ISBN 387185347X, 48 €

Wenngleich Betriebsärzte durch ihre hohe fachliche Qualifikation und berufliche Spezialisierung vor allem in Fragen des Arbeitsschutzes beraten und in der Unfallverhütung tätig sind, werden sie im Rahmen ihrer Mitarbeiterberatungen unweigerlich auch mit Fragen der Krebsentstehung und -therapie konfrontiert werden. Neueste Schätzungen besagen, dass Krebs in einem Jahrzehnt die häufigste Todesursache in Deutschland sein wird. In einer jüngst erschienenen Analyse von über 300.000 Todesfällen von Krebspatienten wurde die weitverbreitete These widerlegt, die schiere Willenskraft eines Krebspatienten könne den Todeszeitpunkt vor wichtigen Ereignissen, wie z.B. dem eigenen Geburtstag, hinausschieben (JAMA 292, 2004, 3012 – 3016). Welche Maßnahmen sind also nach Ausbruch der Krankheit geeignet, die Behandlung bösartiger Tumore durch chemische und/oder radiologische Methoden lebensverlängernd zu beeinflussen?
Der vorliegende schmale Band widmet sich der Tumortherapie und nimmt dabei die drei im Titel genannten Stichworte Zytoprotektion, Spurenelemente und Elektrolyte ins Auge. Zusätzlich beschreibt ein kurzes einleitendes Kapitel die Anwendung komplementärer Methoden und Präparate durch onkologische Patienten. Zytoprotektion ist „eine supportive Therapiestrategie, die den prophylaktischen Schutz der gesunden Zelle vor den Toxizitäten der antineoplastischen Therapie beinhaltet“ und das, „möglichst ohne die Wirksamkeit der Grundbehandlung negativ zu beeinflussen“. Von den zwei in Deutschland zugelassenen Zytoprotektiva wird eines (Amifostin) in fünf Kapiteln umfassend abgehandelt. Das andere (Mesna) findet sich indes nur wie beiläufig als Unterpunkt in den Kapiteln „Ökonomische Blickwinkel“ und „Empfehlungen zur klinischen Anwendung“. Einzig das ebenfalls an den Anfang gestellte Kapitel „Freie Radikale“ enttäuscht vor allem durch ungenaue Formulierungen sowie unnötig viele Fehler in der korrekten chemischen Formelschreibweise, weil vielfach nicht ersichtlich wird, welcher Reaktionspartner denn nun das Radikal darstellt. Die zweite Hälfte des Buches handelt einzelne Spurenelemente und Elektrolyte ab, wobei der Schwerpunkt, entsprechend der Häufigkeit an publizierter wissenschaftlicher Literatur der letzten Jahre, bei den Elementen Selen, Zink, Kupfer, Mangan, Iod und Eisen liegt. Ärzte und interessierte Patienten erlangen hier einen schnellen Überblick über die zur Zeit nicht zu Unrecht in intensiver Diskussion stehenden Elemente. Es finden sich nach jedem Kapitel viele Hinweise auf weiterführende und neueste Literatur, 22 Abbildungen und 32 Tabellen unterstützen den Text, der durch viele Zwischenüberschriften sinnvoll und übersichtlich gegliedert ist.
Wenngleich man einzelne Kapitel nur als äußerst knappe Einführung in die Materie gelten lassen kann, ist insgesamt gesehen eine interessante Auseinandersetzung mit organischen und anorganischen Pharmaka in der Onkologie gelungen, die auch für die in allgemeinmedizinischen Fragen angesprochenen Arbeitsmediziner ein Gewinn sein sollte.

Mathias Seifert

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